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19.10.2018
Benefizspiel
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Fußball-Volksfest in Vilseck!

Volksfeststimmung auf dem Sportgelände des FV Vilseck und proppenvolle Ränge, wie sie die Kicker des heimischen Kreisligisten wohl kaum im Alltag zu sehen bekommen.

Kein Wunder: Fußballprominenz lief ins Vilsecker Stadion ein: 1860 München war angerückt, um für einen guten Zweck gegen eine Vilsecker Stadtauswahl anzutreten. Mit dem Auftritt des Erstbundesligisten sollte die Hilfskasse für die Hinterbliebenen der Bergbahnkatastrophe von Kaprun – bei der auch Löwen-Fans ums Leben kamen – aufgebessert werden. Und sie wurde es auch!

Ausverkauftes Haus, 2000 zahlende Zuschauer, und die aufgebauten Grills bruzzelten auch noch für einen guten Zweck auf Hochtouren. Mit Mann und Maus waren die Sechzger in die Oberpfalz gereist, mit Präses Karl-Heinz-Wildmoser, Coach Werner Lorant und selbst der Stadionsprecher der „Löwen” war mit von der Partie. Wildmoser war es mit dem Benefizauftritt in Vilseck absolut ernst, hatte nach dem letzten Bundesligamatch seinen Profi-Kickern sogar die Kündigung angedroht, falls sie sich vor dem Vilseck-Match drücken sollten. Und der Löwen-Boss sagte den Vilseckern auch weiterhin seine Unterstützung zu. Unterstützung erfuhr ebenso der ausrichtende Löwen-Fan-Club von den Vilsecker Ortsvereinen und der Feuerwehr. Insgesamt 80 Helfer sorgten für einen optimalen Ablauf des Fußballvolksfetes.

Gespielt wurde ja auch noch: Nach 90 Minuten hieß das – unwichtige – Endresultat: 4:2 für 1860.

Theo Kurtz
 

 


 

 

 "Mir lag das sehr am Herzen"
Löwen-Präsident Wildmoser erfüllt sein Versprechen - 2500 Zuschauer sehen Benefizspiel

Vilseck. Der Mund formt lautlos eine Silbe, vor Aufregung aber bringt der kleine Junge in seinem blauen 60-er Trikot keinen Ton heraus. Dann setzt Dominik Kellner erneut an: "Der Lorant"
Der 13-Jährige aus Vilseck hat den Löwen-Trainer als Erster erspäht. Nun geht es Schlag auf Schlag: "Der Winkler, der Martin Max, der Häßler"
Um 16.37 Uhr hat der Bus mit den Spielern von 1860 vor dem Vereinsheim des FV Vilseck gestoppt, und kaum sind die ersten Bundesliga-Kicker zum Greifen nahe, wollen die Fans Autogramme.

Dicht umlagert, in kleinen Gruppen, schreiben Thomas Häßler & Co. auf Schals, T-Shirts und Arme. Ein paar Meter weiter nähert sich - fast unauffällig - der Löwenboss dem Ort des Geschehens: Karl-Heinz-Wildmoser, in Begleitung von Landrat Dr. Hans Wagner und Vilsecks Bürgermeister Richard Schlicht trifft - zu Fuß vom Rathaus kommend - auf dem Sportplatz ein: Der TSV 1860 München hat das Versprechen seines Präsidenten erfüllt und ist zum Benefizspiel in Vilseck angelangt.

"Mir persönlich lag das sehr am Herzen", sagte Wildmoser. Im November vergangenen Jahres war er schon einmal hier, damals zu den Trauerfeierlichkeiten für die Opfer des Seilbahnunglücks von Kaprun. Wildmoser hatte erfahren, dass auch Mitglieder des Löwen-Fanclubs Vilseck unter den Opfern waren, und reiste spontan in die Oberpfalz: "Wenn die nach München zu einem Spiel fahren können, dann gehört der Präsident in einem solchen Trauerfall hierher."

Nach dem Gottesdienst seien Fanclub-Mitglieder und er zusammengesessen und hätten überlegt, wie zu helfen sei. "Es war meine Idee, das mit einem Freundschaftsspiel zu tun", sagte Wildmoser, der gleich aus der Privatschatulle 2000 Mark auf das Spendenkonto einbezahlte.

 

 

 

 
Unterschrieb am Dienstag alles:
1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser

"Die Einnahmen aus dem Spiel kommen bis auf den letzten Pfennig den Angehörigen zugute", versprach Stadion-Sprecher Stefan Schneider. Und die Fans strömten in Scharen nach Vilseck: Exakt 2520 Zuschauer wollten die Begegnung mit der Vilsecker Stadtauswahl sehen.Darunter auch 1860-Fan Franz Stefan, der sich mit seinen beiden Söhnen Benjamin und Florian von Neustadt/Kulm auf dem Weg gemacht hatte: "Eine schöne Sache, das kann man lassen".

Benjamin, eingefleischter Bayern-Fan: "Ich bin wegen der Stadtauswahl hier".

Die machte den Bundesligaprofis das Leben nicht leicht. 3:0 hieß es schon standesgemäß nach 50 Minuten, als Daniel Liermann Thomas Häßler zeigte, wie ein Freistoß aus 18 Metern zu versenken ist.

Kaum 20 Sekunden nach dem Anstoß brachte Christian Graf die Vilsecker Equipe auf 2:3 heran – das Publikum flippte angesichts des Doppelschlages voll aus: "Wir wollen den Ausgleich sehen", skandierten die Massen.


 Der fiel nicht, dafür machte Stephan Paßlack das 2:4 – unterhaltsam war die Partie allemal und die Stimmung stieg. Das fand auch Trainer Werner Lorant (O-Ton einer Zuschauerin: "Der sieht in echt gar nicht so alt aus wie im Fernsehen"), obwohl seine Elf gerade in der Anfangsphase einige Kritik einstecken musste, vor allem der Sturm bekam sein Fett weg: "Das ist ein Gewurschtel da vorne wie bei der F-Jugend".

Das legte sich bald, und Bernd Stoiber ("Nicht verwandt und nicht verschwägert") aus Amberg attestierte "seinen" Löwen eine passable Leistung. Vor allem, als "Icke" Häßler das 3:0 markierte: "Der Weltmeister hat zugeschlagen", meldete Sprecher Stefan Schneider. Ob die 14-Jährige Simone aus Pfreimd das alles so mitbekommen hat, ist ungewiss: "Ich hab's, ich hab's" stammelte sie überglücklich. Ein Foto nämlich, und das Motiv ist unschlagbar: sie und Harald Cerny auf einem Bild.

Danach schwebte sie wie auf Wolke sieben davon, und ließ auch ihre Freundin stehen, die mit einem Stapel Bratwürste danebenstand: "Ich habe keinen Hunger".

Werner Lorant schon, zwischen Vereinsheim und Fußballrasen stand eine Würstchenbude im Weg. Der Löwentrainer genehmigte sich ein Paar und marschierte kauend neben seinen Kickern ein: "Die sind eben sehr volksnah und absolut unkompliziert", sagte Hansjürgen Meyer. Der Schatzmeister des Vilsecker Fanclubs und Organisator freute sich: "Das war eine wunderschöne Atmosphäre, kein typisches Benefizspiel, sehr ansehnlich". Von Christian Frühwirth und Reiner Fröhlich
 
Dominant in Vilseck: Die Farbe Blau
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 26. Dezember 2008 um 19:23 Uhr
 


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